Fragen an Armin Pangerl

 

Bitte, stelle Deinen Künstlerischen Werdegang und Deine derzeitigen künstlerischen Aktivitäten dar.

 

Ich wurde am 13.05.1965 in Bayreuth geboren und kurz darauf als Armin Andreas Pangerl evangelisch getauft.

Vor etwa 30 Jahren habe ich während meines zweiten psychotischen Schubes das Malen für mich wiederentdeckt. Gleichzeitig fing ich an zu schreiben. Zu dieser Zeit entstanden immer mehr Werke von mir und von Anfang an verkaufte ich diese Werke an die Schwestern aus dem Krankenhaus oder an meine Ärzte, sowie Freunde und an all die Leute die meine Bilder mochten. Es war ein guter Markt für mich, weil dieser leicht und direkt zu bearbeiten war und meine Bilder ihre Käufer fanden.

Die Einnahmen steckte ich immer wieder in meine Kunst. Auch was ich sonst noch so übrig hatte steckte ich in Materialeinkäufe. Aus diesem anfänglichen, ich sage das ganz bewusst, Hobby, wurde eine gewisse Professionalität, wodurch immer mehr Werke entstanden. Auch mit anderen Künstlern und Künstlerinnen fand ich Wege gemeinschaftlich zu produzieren. Bald war es dann soweit, (ich zählte die Jahre nicht) daß meine Arbeiten nicht mehr in die Küche passten. Der Raum reichte nicht mehr.

Als sich die Gelegenheit bot einen Fabrikhalle zu mieten griff ich kurzerhand zu und eröffnete mit drei anderen Künstlern ein Gemeinschaftsatelier auf 450m².

 

Dieses Atelier öffnete jeden Sonntag von 13.00-18.00Uhr seine Pforte für alle, die an uns und unserer Kunst teilhaben wollten. Material war irgendwie immer da und es flogen phasenweise auch mal richtig die Fetzen rund um die Kunst. Nach etwa 5 Jahren mussten wir aber raus und so ging wieder jeder seine eigenen Wege.

 

Das war der Zeitpunkt als die Künstlerpatenschaften entstanden und „Das Atelier“ gegründet wurde. Neben her erlernte ich den Beruf des Mediengestalters und machte mich selbständig. In dieser Zeit habe ich eine Vielzahl an Projektideen verwirklichen können aber nicht alles war immer mit Erfolg gekrönt. Die letzten beiden oder besser drei Projekte haben mich gesundheitlich sehr stark mitgenommen. Obwohl ich bin das schon gewohnt sein müssten, weil ich immer irgendwie gegen Widerstände segeln musste.

Aktuell war ich für die Auswahl von Künstler und Künstlerinnen beim ersten ‚Outsider Art Markt‘ in der Sammlung Prinzhorn mitverantwortlich.

Gleichzeitig schiebe ich nach wie vor das Projekt www.kuenstlerpatenschaften.de an.

Meine Kunst, sprich Malerei, gibt es in allen Preislagen und Möglichkeiten zu mieten und zu kaufen. Zudem sehe ich mich als Sprecher des Fachbereiches Malerei für den BPE. Ich bin Gründungs- und Fördermitglied des Förderverein des BPE und unterstütze diesen nach meinen Kräften und Möglichkeiten.

Neben der qualitativen Diplomarbeit über eines der Projekt das sich „Das Atelier“ nennt und dem ich vorstand, soll in Bälde auch eine Ausstellung entstehen die mit Studenten der Evangelischen Fachhochschule in Freiburg realisiert wird.

Neben bei arbeite ich in der Tagesklinik in Lahr und wenn mir das Geld nicht reicht oder wenn ich Lust habe, gehe ich in der Wald und mache dort waldbauliche Arbeiten, um mich körperlich zu stärken.

 

Ich könnte noch erwähnen daß ich eine abgeschlossen Ausbildung als Stahlbetonbauer habe und daß ich bei der Bundeswehr war, sowie schon eine Zeitlang im mittleren Management in einem Sicherheitsunterneh­men gearbeitet habe.

Ich versuche die Anlaufstelle, die im Bereich der bildenden Kunst, die im näheren Zusammenhang mit der Psychiatrie entstanden sind, für Künstler und Künstlerinnen zu sein.



Was hältst du von der Verbindung „psychiatrieerfahren“ und Kunst?

Wie beurteilst du solche Kunstrichtungen wie „Art brut“ oder „Outsider Art“?

Wie handhabst du das selbst?

 

Grundsätzlich haben die Begriffe Psychiatrieerfahren und Kunst nichts gemein. Es gibt aber eine Strömung, welche diese Verbindung vermeintlich sucht und auch befürwortet. Das wäre jedoch so wie wenn ich Wundkranken eine bestimmte Kunstrichtung zuordnen sollte. Das ist meiner Meinung nach nicht möglich. Weil die Schuhe nicht zueinander passen und eine Diskussion entsteht, die nicht richtig ist. Es wäre falsch und verletzend, wenn wir die Kunst, ich spreche hier generell von Kunst, den Psychiatrieerfahenen zuzuordnen. Das wäre so als ob wir den Busfahrenden unter uns den Zuckerkranken zuordnen. Oder den Behinderten die Outsider Art.

 

Daß Kunst innerhalb den Räumen der Psychiatrie entstehen darf, ja sogar muss, ist eine gesellschaftliche Forderung, die ich teile und auch vertreten kann. Alles andere in diesem Zusammenhang führt in einen Bereich der Diskussion bei dem ich mich sehr quälen muss um Verstehen wachsen zu sehen.

Alleine durch die Fragestellung entstehen Missverständnisse: Wer ist wie psychiatrieerfahren und was für eine Kunst ist gemeint? Mir ist das alles zu sehr ein Alleinanspruch, den ich als Position nicht teilen werde.

 

 

Ich schätze Art Brut sehr. Das ist eine recht klare und grundsätzliche künstlerische Position die gefunden wurde. Es sollte aber darum keine Religion gemacht werden, weil es zu Meinungsunterschiedlichkeiten auch im historischen Kontext kommt.

Outsider Art trifft das was gesucht wird schon wesentlich besser. Wie lange jedoch und da stelle ich eine Gegenfrage, wollen wir noch diese Begrifflichkeiten in die Gegenwart transportieren, wenn wir über bestimmte Erscheinungsformen von Kunst reden. Wir können uns alle, jeder für sich, in eine Ecke stellen und über das Nachdenken, was es jeweils für uns selbst persönlich bedeutet. Wir kämen zu unterschiedlichen Haltungen. Gerade das ist die eigentliche Schwierigkeit jeder Zuordnung einer Sache zu einem bestimmten Ding oder Abstraktum. So werden wir das Problem nicht lösen und definieren können. Jemand der nie ins Museum gegangen ist, wird sich auch nicht mit Kunstgeschichte auskennen, geschweige denn über eine bestimmte Ausprägung ein Urteil fällen können. Selbst wenn es ein Museum war: Was hat er oder sie dann gesehen? Expressionisten Manieristen oder Outsiderartbrutler/innen.

Insofern verstehe ich den Glauben der dahinter wohnt und sich ein Zuhause sucht nicht.

 

 

Einen Teil der dritten Frage habe ich beantwortet und schon erklärt, wie ich dazu stehe. Aber noch mal zur Verinnerlichung: Was machen diejenigen die schreiben und diejenigen die denken und philosophieren? Stehen sie gleichrangig mit den Malern und Bildhauern in diesem Konstrukt? Sind sie nun behindert weil sie Kunst machen oder ist ihre Kunst aus der Behinderung gewachsen?

Eine trügerische Frage voller Idylle, wenngleich sich mein letztes Argument dazugesellt: Ich finde den Maler „XY“ sehr gut und ich denke es ist ein Outsiderart-brut-Künstler. Ich habe viele Bilder von Ihm. Nun stellt er an berühmter Stelle aus und im Anschluss daran kann ich mir seine Kunst nicht mehr leisten. Außerdem malt er ganz anders weil es ihm dann gerade so passt.

Oh je was mach ich nur, denke ich mir und werfe das ganze Zeugs das er gemacht hat ins Archiv und suche mir einen besserem Job, mit dem ich soviel Geld verdiene, damit ich mir seine Werke wieder leisten kann. Der Typ wird aber abermals krank, kommt in die Klapse und verschenkt alles was er in den letzten Monaten gemacht hat an die Schwestern und Brüder der Klinik. Enttäuscht wende ich mich endgültig von diesem „Tu nicht gut“ ab und suche mir andere von denen ich glaube (und das ist das Argument: Glaube), daß er oder sie ein/-e echter/-e Künstler/in dieser Zeit ist. Denn meine Spekulation ist nicht aufgegangen.

 

 

Es heißt oft, nicht die Psychiatrieerfahrung, sondern die künstlerische Qualität müsse ausschlaggebend sein. Wie siehst Du die Chancen, daß das auch wirklich umgesetzt wird? Insbesondere, wenn man bedenkt, wie wichtig den Psychiatrie-Erfahrenen oft ihre kreative Tätigkeit ist, und daß sie Ablehnungen/Kritik oft nicht gut vertragen. Oder ist das eher ein allgemein menschliches Problem?

 

Grundsätzlich sollte bei aller Kunst nur die Kunst etwas bedeuten. Sich dem Markt zu verweigern sagt nichts über die Qualität der Arbeit aus.

Pschiatrieerfahrung ist kein Freibrief für gute Kunst. Was gute Kunst ist bestimmt das Publikum, wobei dieses nicht unbedingt und schon gar nicht ausschließlich aus Leuten aus der Psychiatrie bestehen sollte.

Gerade die Chancen im freien Markt sind es, die den Künstlern die Freiheit bieten angenommen zu werden. Was hätten wir davon, ein Leben lang in Nischen zu arbeiten und beständig beschützt zu werden? Also gönnen wir uns etwas mehr Freiheit, auch wenn es schwer fällt.

Das menschliche Problem wird sich nicht ändern lassen. Wer Erfolg erwartet wird erheblich mehr enttäuscht sein, als jemand dem es gleichgültig ist was geschieht.

Das ist wie ein Spiegel in den wir alle sehen müssen. Lernen wir daraus, was an der Kunst falsch war und warum sie nicht verkauft oder honoriert wurde, dann erlernen wir die Perspektiven die notwendig sind, um in freien Märkten Kunst zu etablieren. Gleichfalls sollten wir immer bedenken, in welchem räumlichen Umfeld wir unser Produktionen zeigen. Was sich vor Ort vielleicht nicht verkaufen lässt (weil immer gegenwärtig) kann anderenorts vielleicht ein absoluter Renner sein.

Deswegen fordere ich die Abschaffung von Nischen. Ich hoffe, daß es immer mehr Leute gibt, welche wie ich die Nischen nicht mehr wollen. Ich brauche keine Nische – ich brauche einen Markt denn, das ist ein Gesetz des Marktes, wo kein Kunde da kein Käufer.

Gleichzeitig beschütze ich diejenigen in den Nischen, diejenigen welche die Nischen für sich noch brauchen. Ändern kann ich daran nämlich nichts, nur der Künstler kann das entscheiden wohin er will.

 

Grundsätzliche sind alle Positionen dazu in einem Prozess der Entwicklung zu sehen. Wo ich mich persönlich stehen sehe ist völlig gleichgültig, weil es immer jemanden gibt, der das wiederum ganz anders sieht. Soll dieser Mensch doch die Freiheit dazu haben und selbst entscheiden, was er/sie will!

 

Wie nimmst du die Diskussion/Artikel über psychiatrieerfahrene Künstler/innen wahr?     
Wie geht es dir, wenn z.b. über verstorbene Berühmtheiten mit psychischen Problemen geschrieben/geredet wird?    
Findest du das eher ermutigend oder eher voyeuristisch?

 

Welche Diskussion ist damit gemeint? Artikel lese ich immer unter dem Aspekt liegt der Schwerpunkt des Artikels auf dem Umstand der Psychiatrieerfahrung oder ist diese ein Hindernis bei der Herstellung der Kunst gewesen. Wir können zwei Dinge tun:

Wir können den Rest unseres bescheidenen Lebens immer und immer wieder sagen das jemand in der Psychiatrie war und das seine Kunst aus diesem Grund besonders ist.    
Oder wir können die Kunst als solche schätzen.

Es gibt ganze Bücher voll mit Untersuchungen, bei welchen die Öffentlichkeit einbezogen wird, darüber zu urteilen, was jetzt an der Kunst besonders psycho-chaotisch war oder von einem andern Blickwinkel betrachtet: Warum dieser Mensch so verrückte Kunst macht.

Stellen wir uns eine Niki de Saint-Phalle oder Tinguely ohne ihren Wahnsinn vor. Was wäre dann ihre Kunst wert? Sollen wir die Kunst im Wert des Wahnsinns der dahinter steckt beurteilen? Wie albern wir doch werden, wenn wir diese Diskussion über uns ein Leben lang zu lassen würden und wie wahnsinnig werden wir, wenn wir immer und immer wieder (es sind ja immer wieder die gleichen Beispiele die genommen werden) darüber diskutieren müssten was an der Kunst so verrückt ist.

Ich sage es an dieser Stelle gerne noch mal: Mein Ziel ist nicht die Verrücktheit in der Kunst zu erreichen sondern die Normalität die daraus entspringt, wenn ich ein Werk geschaffen habe, daß eine eigene Anmut hat, weil gerade einfach deren Schönheit und Ästhetik fremd ist und mich dadurch berührt und glücklich macht.

Stellen wir uns diesen Diskurs und das Gejammer darum einmal in Afrika vor, fangen wir gänzlich an zu lachen. Weil deren Besonderheit und Fremdartigkeit uns diese Fragen nicht im Geringsten aufwerfen würde. Nicht im Traum würden wir diese Kunst nach Wahn oder nicht Wahn beurteilen wollen.

 

Wie nimmst du die psychiatrische, psycho­logische Deutung von Werken psychiatrie­erfahrener Künstlerinnen wahr.

 

Gibt es diese? Nenne mir doch bitte Beispiele in welchen jemand einen/e Künstler/in gefragt hat und zwar etwas Wichtiges über deren Arbeit, bei denen der/die Künstler/in auch selbst antworten konnte.

 

Es wäre albern und beleidigend für alle, wenn wir uns über einen Kamm scheren ließen. Diese Allmächtigkeit und deren Beurteilungsfähigkeit - woraus entspringt die denn. Aus der Macht über den Patienten?

 

Kann du ein bisschen was zum Kulturnetzwerk des BPE sagen.

 

Das Kulturnetzwerk ist erst noch im Entstehen. Ich würde zu gerne wissen wollen, wie es sich entwickelt. Wenn nicht gleich so hohe Hürden entstehen, die Kunst gleich als Kultur verstanden wissen zu wollen.

 

Was wünscht du dir für psychiatrieerfahrene Künstler/innen?

 

Ich wünsche mir eine Kunst die den Menschen individuell zeigt. In seinem Menschsein und das auf eine gute Art und Weise, so daß ich davon lernen kann.

Ich wünsche mir eine Kunst die wirklich sinnstiftend ist in einer wahnsinnigen Welt.

Ich wünsche mir Ehrlichkeit und Respekt vor den anderen Künstlerinnen und deren schöpferischen Leistungen.

Ich wünsche glücklichere Träume die in Malerei Enden oder Beginnen.

 

Was ist Selbsthilfe in diesem Bereich und was hat sie für eine Bedeutung?

 

Selbsthilfe bedeutet, daß sich ein oder mehrere Menschen zusammenfinden, Ihre Mittel und Möglichkeiten zusammenwerfen und gemeinsam an ihrer eigenständigen Kunstformen arbeiten. Vielleicht auch darüber sprechen. Schlecht wäre sich zu streiten und/oder jede Form von Absolutissmen in Haltungen. Sich so gegenseitig unterstützen. Im Idealfall werden Impulse geschaffen die langfristig Mut machen zur Eigenständigkeit.

Aber ich warne gleichzeitig vor der Uneigenständigkeit. Die entsteht, wenn eine Person die Gruppe oder deren Haltungen dominieren will. In der Realität ist es meistens eine/r der nach außen die Gruppe vertritt. Dabei muss man unterscheiden zwischen tatsächlich selbstgeführten Gruppen und eben nicht selbstgeführten Gruppen,

Dabei darf man nicht von Selbsthilfegruppen sprechen, wenn Profis, also Menschen die dafür Geld bekommen, daß es diese Gruppe gibt und die dafür Sorge tragen die Gruppe zusammenzuhalten.

Es ist das Aberwitzige in unserer Gesellschaft, daß Millionen Euro verblasen werden, um zu planen, daß es Selbsthilfe gibt. Anstatt der Selbsthilfe die Gelder möglichst unbürokratisch und unkompliziert zur Verfügung zu stellen.

Vermutlich irre ich da, aber es macht keinen Spaß Beamter im besonderen Auftrag zu sein, um diese Gruppen zu erhalten. Darüber hinaus existiert ein ganzer Apparat nur zu dem Zweck, daß sich diese Gruppen gründen können.

Bei dieser Gelegenheit verweise ich mal darauf, daß die Definition, was Selbsthilfe bedeutet, schon lange von Profis festgeschrieben wurde. Es gibt keine Definition von Selbsthilfe von Selbsthelfenden, denn das wäre eigentlich und originär deren Recht und Aufgabe.

Jedoch könnte es auch sein, daß es genügende Profis gibt die den Selbsthilfewilligen die Selbsthilfe erklären. Siehe hierzu die diversen Diplomarbeiten von all den fleißigen Studenten/innen, die immer wieder in daßelbe Horn blassen, damit sie auch ganz bestimmt ihren Titel bekommen. Die vielen Therapeuten die als Ziel die Alleinentwicklung einer Person haben, und dann im Zuge der Therapie Selbsthilfe vorschlagen.

Welche Möglichkeiten daraus erwachsen und wie das geht, hängt von den Bedingungen ab, denn Selbsthilfe wird ohne Mittel zur Mittelmäßigkeit degradiert. Wie bei einem selbstständigen Unternehmen wird das Risiko oftmals durch Einzelnen getragen. Gerade Selbsthilfegruppen die Geld benötigen, um Öffentlichkeit zu erreichen werden nur dann erfolgreich sein wenn es Leute mit viel Kohle im Hintergrund gibt oder der Mittelfluss konstant bleibt.

 

Materiell gut ausgestattete und unterstütze Gruppen die im Idealfall supervidiert werden, schaffen meistens ein paar Jahre mehr Existenz. Es gibt ja immer genug Nachschub, gerade dann, wenn die Gruppen und Institutionen regional vernetzt sind. Hierzu ist der Apparat übrigens sehr gut geeignet.

Leider meint man (meist nach 2-3 Jahren) „das Ding“ läuft auch so weiter.

Bedauerlich ist: Wenn der institutionelle Mechanismus nicht mehr funktioniert, wenn die Frage nach mehr Mittel aufkommt. Ich werfe hier mal die Frage auf: Was machen die Gruppen, die in ihrer Grundausstattung nicht mehr bedarfsdeckend arbeiten können? Sie werden auf unterstem Niveau kurzgehalten und stellen einen netten kleinen Beitrag im Sozialplan eines großen Organismus von Verwaltung dar. Wenn das die Zukunft sein soll, werden wir nur die Armut weiter verwalten und nicht schöpferisch tätig sein können. Wir werden viele Gruppen haben die an dieses falsche System glauben werden. Es wird hoffentlich eine Frage der Ehre sein, wann dies abgeschafft wird. Denn Menschlichkeit entsteht nicht aus Mildtätigkeit sondern hat noch mehr Aspekte.

 

Dieser schlechte Weg wird zurzeit von Profis gewählt, weil die vielfältigen Arbeiten, die neben solchen Gruppen entstehen, durch Personen gemacht werden, die wesentlich weiter sind und auch bereit sind mehr zu leisten. (Es gibt immer einen Blöden.) Oder schlicht und einfach, weil es ihr Job als Erzieher, Sozialarbeiter oder Therapeut ist. Dann ist es aber keine Selbsthilfe im eigentlichen Sinne, sondern eine von langer Hand geführte Gruppe, die oftmals einer Institution zuzurechnen ist und im schlimmsten Falle einem Amt.

Große Streitfrage darin sind immer die Mittel die eine Gruppe zur Verfügung hat. Selbsthilfe ohne Mittel ist ein Phrase, auch dann, wenn alle anderen Randbedingungen erfüllt sind, ist bei solchen Gruppen niemals echte Freiheit vorhanden, weil nur das Bestehen zählt, nicht die Möglichkeiten.

Die Lösungsmöglichkeiten werden immer wieder nur als Teilnahmebedingungen für die Gruppe offeriert. Dafür muss man sich in irgendwelchen scheinheiligen Sitzungen den Hintern absitzen nur um von dort, einmal im Jahr eine milde Gabe zubekommen. Sicherlich wollen manche in der Gruppen nur ein wenig Ruhe und sitzen ihrer Möglichkeiten in der Form aus, aber alle anderen wollen vielleicht auch mal ein bisschen mehr.

Als Beispiel möchte ich nur kurz auf unser Atelier Projekt verweisen. Das hatte es am Anfang leicht, weil erstmal Mittel durch Profis und Stiftungen zur Verfügung gestellt wurden. Dann aber wurde nach den letzten drei Jahren Laufzeit, die Forderung und der Anspruch so hoch, daß die Mittel bei weitem nicht mehr reichten, um die vielfältigen, öffentlichen Auftritte zu bezahlen. Schade, daß die Chancen nicht gewachsen sind mit den Möglichkeiten. Wo immer ein Zopf gewachsen war wurde er in den Möglichkeiten beschnitten und es waren private Investitionen die das Rad am Laufen hielten.

 

Noch ein kurzes Wort zur Bedeutung:

Wenn Bedeutung bedeutet das es der Gruppe gut geht und sich die Menschen in der Gruppe gut entwickeln, dann bedeutet das aber auch Verantwortung zu übernehmen und nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben.

-      Geplante Aktionen die nicht mehr durchführbar sind, müssen dann auch abgesagt werden, selbst wenn es noch Möglichkeiten gäbe das ganze billiger zu haben. Denn es bleibt immer wieder an Einzelnen hängen, die viel Mut und Unternehmergeist in diese Aufgaben hängen. Das ist übrigens auch eine Gefahr die entsteht. Daher ist es wichtig sich selbst aus diesem Kreislauf zu befreien.

-      Selbsthilfe kann ein Akt der Befreiung sein, auch wenn er in den Ruin führt. Ob es dann wirklich Kunst war entscheidet, wie immer, das Publikum.

 

 

Kann Selbsthilfe zur Kunstform werden?

 

Sie kann, aber der erste Schritt ist das Verlassen einer von Profis dominierten Gruppe oder das sich Selbstbefreiende („..ich mache jetzt meinen Kram selber“) („..Ihr könnt mich mal“)

Freiheit, Gerechtigkeit und Einheit – das sind die Grundlagen unserer Gesellschaft. Der freie Wille entscheiden zu können was ich oder eine andere in der Kunst wollen, dazu hat man diese Freiheit in den Gedanken als auch in den Möglichkeiten mit sich selbst.

Die Befreiung findet heute nicht wegen mangelnder Betreuung statt, sondern wegen tatsächlichem Ausbruch aus dem System. Das ist das große Problem, weil ich als Künstler erst erfahren muss, was Freiheit bedeutet, nämlich die Unabhängigkeit von einem System zu erreichen.

 

Drei Regeln:

Die Kunst ist frei.

Die Kunst ist wild.

Der Künstler ist der liebe Gott in seinem Werk.

 

Wenn wir also von all diesen Gedanken ausgehen, muss das oberste Ziel sein, sich in und als diese Gruppe der Selbsthilfewilligen, unabhängig zu machen. Mal gelingt dies, manchmal nicht.

Gerade das ist der Grund und die Chance, warum es Selbsthilfe geben sollte. Nicht daß es die Gruppe dauerhaft gibt sondern daß es den Personen in der Gruppe gut geht und sie Ihre Chancen nutzen können. Auch wenn diese albern, dumm oder banal sind. Jeder hat das Recht darin seine persönlichen Entwicklungen zu machen. Selbst wenn sich diese in Wahnsinn entwickeln – dann sei das halt so.

Wahnsinn bedeutet meistens auch Entwicklung und das sich Befreien von katastrophalen Zuständen. Die Reaktion im Wahn ist eine gesunde Reaktion des Körpers auf das Äußere und Innere.

 

 

About me 
One of my first memories goes back to kindergarten, where I painted and drew. 
The subject was faith and I diligently painted crosses and a not funny Jesus on a big black cross. Today I would say I am no longer a believer. I experienced too much and went through ups and downs of being an artist. As a child I painted my brother when I started school, but I forgot to draw my hands and that was interpreted so that I was not mature enough for school. So I had to go back to kindergarten again. Frankly I'm a late developer, everything took longer and longer for me. In my time as a teenager I looked for proximity to the construction sites in my area and found it very enjoyable to paint in fresh concrete or to write my name on a house wall with flax, that there was a beating from dad, but I casually accepted that. In the art class in middle school, I kept bringing my teacher to my place to look at the cutout. My skills were rather modest. When I discovered my desire to take pictures after many years in the clinic, I painted an entire hallway in four weeks. The hall was 15 meters long. I bought painting supplies for the first time and diligently sold my works to the nurses and to my doctor. I invested part of the money I earned in new material. So it became more and more material that I circulated and sold. That was 30 years ago. My encounter with the art of the Prinzhorn Collection has shaped me. We were there for a visit and I immediately felt a great love for the work that was shown there. I introduced myself to Thomas Röske as a representative of the artist group "Das Atelier Lahr", which I founded in 2004. I still represent this group. This has changed my way of making art in general and my understanding of what is beautiful is reflected differently today. In working with mentally "sick" artists, I find fulfillment and that nourishes my soul. My pictures are melting pot of my thoughts. My picture formulations are different today than they were 30 years ago. Apart from the cancer and the psychological setbacks, I enjoy writing and formulating. It’s often a little lyrical, and I collect my notes next to the drawings and write down the delusion of my thoughts that sometimes affects me. No therapy can understand what I'm really doing with it, and my greatest happiness is to please others. I photograph my texts and write them down in my sketch books or digitally. Numerous publications since 2018 have now marked this path. I don't really care if others like what I do or not. I am concerned with authenticity and truthfulness and that I can write and paint what I think. I photograph my texts and write them down in my sketch books or digitally. Numerous publications since 2018 have now marked this path. I don't really care if others like what I do or not. I am concerned with authenticity and truthfulness and that I can write and paint what I think. I photograph my texts and write them down in my sketch books or digitally. Numerous publications since 2018 have now marked this path. I don't really care if others like what I do or not. I am concerned with authenticity and truthfulness and that I can write and paint what I think.

 

Thanks Letitia Gaba for the correction

Kontext -Informationen über

 

Armin Andreas Pangerl

 

Seit gut 30 Jahren arbeite ich freiberuflich als Künstler und habe nach etlichen Umwegen zu meiner eigenen Formensprache und Gestaltungsausdruck gefunden. Das Projekt „One Million“ ist ein Konzeptkunstwerk und lehnt sich an mein Kunstgeschichtsstudium in Freiburg an der Albert Ludwig Universität an. Leider muste ich das Studium wegen einer Krebserkrankung abbrechen.

 

Neben diesem einmaligen Kreuzprojekt ist mir der künstlerische Freiraum in alle Bereiche sehr wichtig. Ich kann aus jedem Bereich Dinge nehmen und in meiner Kunst verarbeiten. Als Dozent habe ich die Erfahrung in Kliniken wie auch in freien Projekten gesammelt mich über meine künstlerische Sprache zu formulieren. Meine Vorbilder sind aber vor allem die Outsider und Art Brut Künstler der Gegenwart wie auch der Vergangenheit.

 

Ich suche in meinen Werken nach der Echtheit und Authenzität  meiner Bildformulierungen. Mal gelingt es leicht, dann ist es wieder ein Kampf über 100 von Bildern um das eine Bild, dass stimmt zu erreichen.

 

In meinem Kopf sind wie in einem Bilderbuch alle bisher gesehen Kunstwerke gespeichert. Ich kann diese teils mit Namen der Künstlerinnen abrufen. Darin liegt der Quell meiner Phantasie. Nichts soll wiederholt werden oder abgemalt sein. Ich will ein eigenständiges Werk schaffen das singular steht. Neben den vielen Aufenthalten in der Psychiatrie und den Operationen wegen Krebs bin ich trotzdem ein Mensch mit einer hohen Resilienz und Optimismus. Aus dem täglichen Schaffensprozess kommt meine Inspiration nach Kunstwerken die frei sind und die für sich stehen.

 

Ich habe bereits Ausstellungen in Italien in der Schweiz und Deutschland gehabt. Meine Biografie geht über mehrere Seiten und ist unter www.arminpangerl.com nachzulesen.

 

Darüber hinaus versende ich meine Postkarten unentgeldlich in die ganze Welt.

China -Taiwan- Malta- Österreich- Serbien- Schweiz- Canada usw.

 

Ich bin unter 0162-720 21 13

 

Oder info@arminpangerl.com zu erreichen.

 

Danke

 

 

 

20.02.2018

One Million

 

Die Motivation

1996 im Winter begann das „One Million“ Projekt.

Zunächst hat es sich aus dem künstlerischen Gedanken entwickelt, eine Million schwarze Kreuze zu malen. Dieser Gedanke entsprang in einer Nacht voller Unruhe und innerer Aufgewühltheit. Ich hatte gerade eine Krebsoperation hinter mir und Ungewissheit quälte mich. Aus diesem Gedanken ist bis heute ein circa 350 Stunden währender Prozess geworden.

 

Die Idee

One Million“ wird aus sechzig Bildern bestehen.

Zehn Bilder haben die Größe 150 x 200 cm,

fünfzig sind 33 x 33 cm.

Die großen Bilder bilden die 10/10 Serie,

die Kleinen die 50/50 Serie.

Auf den großen Formaten sind jeweils "einhunderttausend" schwarze Kreuze. Auf den kleinen Formaten befinden sich etwa zweitausend schwarze Kreuze.

 

Technische Eigenschaften

Die Bildoberfläche ist mit weißer Grundierung vorbereitet. Weiterhin ist bei jedem Bild ein circa fünf Zentimeter weißer Rand belassen. Die Leinwand besteht aus Baumwolle, die auf fünf Zentimeter starken Dachlatten aufgespannt ist.

 

Die Kreuze

Gegenstand der „One Million“ sind eine Million schwarze Kreuze aus Tusche in der Größe von etwa einem Millimeter bis zu etwa einem Zentimeter. Die Kreuze sind ausschließlich mit dem Pinsel gemalt.

 

Aktives Kunstwerk

Je nach Ort der Ausstellung ist eine unterschiedliche Anordnung und Reihenfolge der Bilder möglich. Ich gehe davon aus, dass sich das Projekt im Laufe der Zeit noch verändern wird. Für die Ausstellung in der Kunsthalle Altdorf ist eine Installation (work in progress) entstanden.

 

Erwerb

Der Erwerb von einzelnen Bilder aus der 50/50 Serie ist nicht möglich. Der Erwerb von 2/10 oder 3/10 ist möglich, unter der Bedingung am Ende des Projektes das Bild für eine Gesamtschau zur Verfügung zu stellen.

Aus der Serie 50/50 ist ein Druck zu erwerben.


Verortung

 

Isolde Wawrin bat mich einen Text zu schreiben in dem ich über mich und meine Kunst Stellung beziehe. Nachfolgendes Ergebnis bitte ich als aktuelle Positionsbestimmung zu betrachten da sich meine Ansichten in der Regeln ändern und temporär bedingt sind.

Lebensumstände und Möglichkeiten in der Auseinandersetzung mit Kunst und Malerei sind spezifisch abhängig von den finanziellen und zeitlichen Dinge von denen wir umgeben werden. Daher ist eine Aussage über Kunst immer nur soweit richtig wie sie im Augenblick des Erstellen derselben ist. Danach ist bereits wieder ein Wandel oder eine Veränderung zu sehen.

 

In meinen Aussagen, Gedichten, Textbeiträgen zu Zeitschriften und zum Buch von Sibylle Prins (oder in einem Interview mit der Zeitschrift die ZEIT) versuche ich das Wort als Medium zu benutzen. Hier in dem Text über die Verortung ging es um meine Lebens-Geschichte. Der Text schließt das Malen ein und gleichzeitig ist eine Wechselbeziehung zu demselben vorhanden.

 

Auf meiner Homepage:

www.arminpangerl.de gehe ich den Frage nach was will ich der Öffentlichkeit von mir zeigen.

 

In der konzipierten Ausstellung ist die Frage eine andere. Raum und Örtlichkeit haben einen Background und eine Geschichte.

Diese ist zu respektieren auch meine Gastgeber haben eine bestimmte Vorstellung von Kunst.

In einem meiner Vorgespräche stellte ich die Frage was einem jungen Künstler wie mir bleibt um seine Kunst zu machen. Ich war von der Antwort von Yoshi Kakedo beeindruckt. Er sagte: .{„...das wichtigste ist wach zu bleiben und die Augen offen zu halten...“}.

Das bedeutet Selbstwahrnehmung und Ehrlichkeit zu sich selbst und der Umwelt. Vielleicht sogar einen politischen Aspekt.

 

One Million ist ein von mir begonnenes Projekt seit 1996.

Ich habe damals die Aussagen die ich tätigte so gemeint und auch mich in dieser Form selbst verstanden. Davor lag meine Krebserkrankung und ich wollte ein großes bedeutendes Projekt machen. Ich fand in meiner Umwelt Anerkennung und stellte dieses Projekt mehrfach in der Öffentlichkeit aus. (siehe Projekt Beschreibung „One Million“)

 

Ein weiterer Gedanke ist heute Kern dieser Arbeit.

Der Aspekt der Verortung.

Begründet auf die drei Fragen:

Wer bin ich?

Wo lebe ich?

Was will ich aussagen?

 

Wer bin ich?

Der Frage [Wer bin ich?] möchte ich mit einem Rechenbeispiel antworten.

Meine Eltern sind im letzten Jahrhundert geboren. Davor deren Eltern und davor die Eltern meiner Eltern. Und davor kommen meine Ur-Eltern.

Das sind bereits 8 Personen.

Gehen wir von einer regelmäßigen Population in einem Zeitraum von 30-35 Jahren pro Generation aus sind das bis zum Jahre Null.

2000:35=57 Generationen

Bsp.

2 hoch 4=16

 

 

 

Da sich der Faktor bzw Exponent jeweils um eins erhöht sind das

Alleine bei

2 hoch 32 =4 294 967 296 Personen, das ist in etwa die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung.

 

Bei 2 hoch 57=288 230 376 151 711 744 (Billiarden)

 

Bei 2 hoch 64=36 893 488 147 419 103 232 (Trillionen)

 

Das ist für die heutigen Rechnern (Computern) ein Wert der keineswegs der Festplattenleistung (Speicherkapazität) entspricht.

Megabyte, Gigabyte, Terrabyte, und so weiter..

 

Wieso aber die Frage.

Die Lösung ist ganz einfach.

Ich bin das Produkt all dieser gewesenen Menschen und da ich glaube das selbst durch extreme Völkerwanderung nicht die Basis dieser Menschen vorhanden gewesen sein kann, aber trotzdem rein rechnerisch muss. Ist das Ergebnis dieser Ausführung: Ich bin auf jedem Fall mit jedem Menschen auf diesem Planeten verwand.

 

Wo lebe ich?

Ich lebe wenn man mich fragt in Lahr.

Nun in den vorherigen Ausführungen ist klar geworden das ich auf jeden Fall mit jedem Menschen irgendwo in der Ahnenreihe verwandt bin.

Wo ich daher lebe ist völlig gleichgültig. Da ich auch am Pol leben könnte den meine Geschichte könnte auch dort passiert sein. Ich glaube daher, dass die Realität wie sie sich für mich darstellt nur die Summe der Ereignisse aus der Vergangenheit ist.

Es gab Gründe das meine Eltern nach Lahr kamen.

Aber ist das unwesentlich...

Ich hatte ja schon erwähnt das ich mit jedem verwandt bin. Mit dem Verkehrsteilnehmer der mich schneidet, dem Mann Bush der Krieg führt, mit Mao und auch Gandhi, Einstein und auch mit der Jüdin die als erste in Lahr vertrieben, verschleppt und in einem KZ getötet worden ist.

Wo lebe ich also?

Ich lebe in der Geschichte meiner Verwandten deren Schuld und Last ich trage, deren Leid und Tat ich bewusst sein muss. Deren Opfern ich verwandt bin.

 

Was will ich aussagen?

Bisher habe ich von mir erzählt aber ist es nicht Aufgabe der Kunst ein „wir“ zu finden.

Wäre die Aussage ich bin nicht besser durch ein wir sind zu ersetzten.

 

Wir sind krank, wir sind müde, wir sind die Schöpfer dessen was wir als Kunst bezeichnen.

Wir sind die Täter und Opfer unserer eigenen Geschichte.

Alles was wir tun ist eine Aussage unserer Befindlichkeit.

Ob wir nörgeln oder glücklich sind oder helfen oder morden, alles Aussagen über uns und unsere Geschichte.

Dafür sind wir verantwortlich.

 

 

Armin Andreas Pangerl 28.04.2016


so sammle ich meine texte und gedanken, das sie für eine welt die nach mir ist -bleiben

strebe nicht nach ruhm

strebe nach neuem 

unerforschten gebieten meines geistes

und berühre machmal dabei die grenze

und manchmal bin ich drüber

doch immer such ich das was ich noch nicht gesehen habe.


Outsider kontra Insider

(Outsider vs. Insider)

Text von Armin Andreas Pangerl

 

Gibt es Outsider? Und was sind das für Wesen.

Gibt es einen Kampf zwischen diesen Gruppen.

Sind Outsider womöglich höhere Wesen mit besonderen Fähigkeiten? Oder doch nur einfache Menschen. Wird aus einem Outsider irgenwann mal ein Insider.

Oder bleibt er immer ein Outsider.

Outsider sind am Rande der Gesellschaft zu finden. Ihr Sprachrohr in der Kunst können wir hören und sehen.
Was sind Outsider-Art Künstler? Sind es nach dieser lieblich blumeranten Formulierung Gloschards oder Sozialschwache oder womöglich Hartz IV Empfänger oder vielleicht Rentner die zuhause sitzen und endlos lange KettenTexte schreiben die völlig sinnlos ihre Geschichte erzählen. Gefangene in Unfreiheit behandelte und gefolterte Menschen. Halt all diejenigen die Kunst am Rande machen. An der Grenze zur Belastbarkeit Ihrer selbst und ihres Umfeldes

Auf der Alm lebende Ötzies die erst nach hundert Jahren auftauchen.

 Einen grossteil der Menschen die eigentlich mit diesem Begriff gemeint sind decken wir nicht ab, weil wir gar nichts sehen und vor allem nicht kennen.

Gesellschaftphänomäne werden uns eingetrichtert.

Sie sind abseits, außerhalb unserer Sicht

In der Kunst hat sich diese Begrifflichkeit aber durchgesetzt und es sind die deren Kunst wir goutieren und deren Positionen wir kennen. Also sehen wir sie doch. Zeitlich versetzt natürlich

 

Um überhaupt ein Verständnis darüber zu erlangen was Outsider sind haben wir also den Begriff Outsider-Art eingeführt. Und ein Ordnungssystem daraus gemacht.

 

Gerade weil die Gesellschaft angeblich Ordnungssysteme braucht um Kunst verifizieren zu können nehmen wir immer Wörter in den Mund und verschließen uns eigentlich dem Offenen Ende der Kunst die gerade entsteht.

Open-End-Art nenne ich das.

 

Ich habe schon vor Jahren gefordert diesen Ordnunks unsystemen den Gar auszumachen.

 

Und meine Forderung ist gehört worden, weil Kunstgeschichte entsteht und weil sie leise daher kommt und mit Personen verbunden ist, die wir nicht sehen. Deren Gedanken werden sich erst in einer Gesellschaft manifestieren wenn es schon mal wieder zu spät ist und alle Tod sind.

---------- Schade aber so ist es immer---------------

Ich hätte zu gern einen Blick auf die Kunst der 22 Jahrhunderts geworfen und vor allem Ihren Randerscheinungen, mich interessiert  nicht das--->was  die machen  die dann in ihrer Bedeutung on voge sind und in allen Galerien als Unangepasste gelten

Nein mich interessiert was die machen die darauf  aus sind ihre eigene Geschichte und Weltvorstellung so klar als möglich in Kunst zu packen und die keinen Wert darauf legen das das was sie jetzt gemacht haben, jetzt was wichtiges war was sie gemacht haben und aller Welt sofort mitgeteilt werden muss und in die Öffentlichkeit kommt was sie gedacht haben.

 

Und daher lieb ich alle ersten Versuche eines Menschen die sich über die Kunst zu formulieren suchen.

Sei es das ein Mensch auf die Idee kommt mit einem abgebrannten Streichholz eine Zeichnung zu machen oder solange unter einer Brücke stehen bleibt bis er das Gefühl versteht „Wut unter der Brücke“ zu erleben.

 

Ein schönes Beispiel ist für mich Tunay Oender deren Name kein Mensch kennt.
Sie ist war Sicherheitsfachkraft und hat auf der Art Karlsruhe einen Eingang bewacht wo kein Mensch hinging weit abseits von all dem Treiben. In der Zeit hat sie gezeichnet.

Ich habe sie eine weile beobachtet und

Ihre Zeichnungen habe ich gekauft und ihr 6,00.-€ gegeben was einem kompletten Stundenlohn von ihr entsprach. Die Freude war riesig. Aber ist sie jetzt ein Outsiderartin?

Ganz klar nein. Um zum Outsider werden zu können muss du ein Insider sein.

(und dir ein Ordungssystem verpassen)

Alle anderen Information eigentlich vergessen und dein Ding machen.

Die Merkmale Einmaligkeit, Nachhaltigkeit und Konstanz sind von Nöten.

Und schon haben wir wieder ein Ordnungssystem geschaffen.

 

 

Insider sind für mich auch die, deren Geist und Verstand sich weiterentwickelt hat, die aber ursprünglich aus der gleichen Quelle ihrer Fantasie geschöpft haben und deren Ideen in Arbeit gemündet sind.

 

Eine Million Kreuze zu malen oder alle Trennlinien auf der Autobahn zu zählen sind Beispiele hierfür. Ich vermeide hier schlicht das Wort Autismus um zu beschreiben was ich meine. Den die Outsider Kunst geht weit weg von Krankheit oder Wahn. Sie braucht auch ein gewisse Menge an Geist und Spirit (Faszination) um entstehen zu können.

Und manchmal hört sie einfach auf.

Und vor sie ist vor allem Arbeit, das immer wieder schaffen an sich selbst.

Eine Art Klärungsprozess hat es Fischer et.al. in einem Gespräch mit mir genannt.

Aus einem Outsider wird über die Jahre zwangsläufig ein Insider.

Der Gefangene befreit sich über die Kunst. Keine Mauer der  Welt ist hoch genug um die Insel und deren Kraft in der Phantasie zu verhindern. Kein Fernseher hämmernd genug, kein Turm und auch keine Definition breit genug in ihrer Substanz werden das geschaffene in seiner Flüchtigkeit erfassen.

Es schwebt davon....

All dies zu meinem Gedächtnis.

31.12.2006

 

 

 

 

 


Bin ich ein Outsider?

Eine schwierige Frage,

ich kann sie nicht beantworten, zumindest nicht in einer kurzen Antwort.

-

Über die Jahre hinweg habe ich viele Bilder gemalt (1500) und auch relativ viel geschrieben. (zu dem Thema)

Meine Gedanken versucht zusammenzuhalten und mit >>Sinn<< zu füllen und zu fühlen.

-

Ich habe an der Albert Ludwig Universität in Freiburg ein Seminar zum Thema Minimal Art/Konzept Art belegt gehabt,

daß hat mich geprägt in meiner künstlerischen Arbeit. Manche werke sind konzeptionell andere wiederum nicht.

 

-

Viel beeindruckender war dann aber noch der erste Kontakt mit der Kunst der "Outsider art" bzw art brut

die Fahrt nach Heidelberg zu Dr. Thomas Roeske wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Die ersten Arbeiten die ich gezeigt bekommen habe waren die von Karl Genzel.

Mit von der Partie war Urban Edte meine Begleitung und mein bester Freund zu diesem Zeitpunkt.

Wir waren eindringenden Fragen von T. R. ausgesetzt 

zb ob wir ein kommerzielles Interesse hätten mit dem Atelier Lahr (und den kuenstlerpatenschaften.de)

Der 2007 stattgefundene Outsider Art Markt wurde veranstaltet und gefilmt.

Heute steht der Film im Netz es ist mein Film und ich habe die Rechte daran.

Das ich vorher in eine psychische Krise kam und in der Klinik gelandet bin ist nur der Anstrengung zu schulden.

Mann könnte jetzt auch sagen, daß ich zu der Kunst von psychiatrie-erfahrenen oder zu mediumistischer Kunst gehöre.

Der Gedanke missfällt mir immer noch.

-

ich will überhaupt nirgends irgendwo zuge-ort-net werden. (ich gehe kaputt bei diesem Gedanken, irgendwo reingesteckt zu werden)

 

Ich will Formlos bleiben, das einzigste was ich will ist mir über die Kunst klar zu werden das ich nicht verrückt bin

Das ist die Frage die mich in jedem Werk beschäftigt. Sei es Text oder Bild.

05.05.2016


Armin Andreas Pangerl

Ein „Outsider Art Markt“ in der Sammlung Prinzhorn

 

Der Wahn ist eine Abwehr. Er verhindert die psychotische Auflösung, ermöglicht zu leben, den Dingen eine Ordnung zu geben, eine untragbare Situation zu ertragen.“ Diese Worte von Giovanni Jervis aus dem Jahre 1975 stehen an einer Wand im Eingangsbereich der Heidelberger Sammlung Prinzhorn.

 

Als ich das zum ersten Mal las, war ich sofort davon überzeugt. Denn hier sprach jemand etwas aus, das ich innerlich schon lang fühlte. Das war bereits vor vielen Jahren. Bei einem weiteren Besuch nach Gründung der www.kuenstlerpatenschaften.de lernte ich Thomas Röske, den Leiter der Sammlung Prinzhorn kennen. Über viele Jahre gab es dann immer wieder Gespräche, die teils informellen Charakter hatten, teils Möglichkeiten der Zusammenarbeit diskutierten. Ich wollte Thomas Röske in einem dieser Gespräche davon überzeugen, dass wir dem Wahnsinn die Freiheit geben sollten. Damit meinte ich den Wahnsinn, der in Kunstwerken eine Form gewinnt. Ein langer Diskurs entspann sich darüber. Es war eine sehr intensive Zeit, in der mir klar wurde, was die Sammlung heute bedeutet und welchen Wert sie für die Gegenwart hat.

 

Kurzfristig kam dann 2006 eine Mail von Thomas Röske, die ankündigte, dass das Projekt „Outsider Art Markt“ Gestalt annehmen würde. Der Plan war, aktuelle künstlerische Werke psychiatrieerfahrener Künstler und Künstlerinnen in einer Verkaufsausstellung zu zeigen. Sie sollte allerdings nicht mit dem Angebot professioneller Galerien und Messen konkurrieren, sondern vor allem näher an die Werke und ihre Autoren heranführen. Vorangegangen war die Ausstellung „wahnsinn sammeln“ mit der kompletten Privatsammlung des Ehepaars Dammann/Basel, die fast ausschließlich Kunst von Psychiatrieerfahrenen enthält – eine Schau, mit der die Sammlung Prinzhorn zum Nachdenken darüber anregen wollte, ob man mit Werken aus psychiatrischem Kontext leben könnte. Der „Outsider Art Markt“ war als eine Art Fortsetzung gedacht: hier konnte aus dem Gedankenspiel ernst werden.

 

Wegen knapper Zeit und beschränkter Resourcen wurde zur Teilnahme nicht bundesweit ausgeschrieben. Einzelne Künstler und Künstlerinnen sowie Malateliers wurden gezielt eingeladen sich zu bewerben. Ich schrieb so ziemlich alle an, die ich kannte und von denen ich mir eine Antwort erhoffte. Zusätzlich wurde die Heidelbergerin Helgard Usadel, die sich für die kunsttherapeutische Abteilung im Psychiatrischen Zentrum Tiflis/Georgien einsetzte, mit ins Boot genommen.

 

Bald nach Einsendeschluss traf sich die Jury, um auszuwählen, welche Werke am Outsider Art Markt teilnehmen sollten. Neben Thomas Röske und mir waren Helgard Usadel und Sabine Mechler von der Sammlung Prinzhorn dabei, und es wurde rasch und klar entschieden. Ausgewählt wurden Perihan Arpacilar, Salvator Goldengrün sowie Künstler und Künstlerinnen des Kunsthaus Kannen, der Kunstpraxis Soest, der Kasseler Gruppe Titanenweiß, des „Ateliers“, von www.kuenstlerpatenschaften.de und aus Tiflis.

 

Eine überwältigende Skulptur von Vanda Vieira-Schmidt aus mehr als 500 000 DinA 4-Zeichnungen bildete einen beeindruckenden Empfang für die Besucher des Marktes.

 

Die ausgewählten Künstler und Künstlerinnen wurden aufgefordert, eine beschränkte Anzahl von Werken, die außerdem bestimmte Maße nicht übersteigen sollten, zusammen mit einer Vita und einer Preisliste nach Heidelberg zu schicken. Jeder Teilnehmer war frei in der Preisgestaltung. So wurden Bilder, Skulpturen und textile Werke zwischen 30 und 5000 € angeboten. Die Teilnahmegebühr betrug € 20; außerdem gingen vom Verkaufserlös 10 % an die Veranstalter. Davon wurde ein Teil der Unkosten gedeckt.

 

Der „Outsider Art Markt“ fand vom 27.-29. April 2007 in der Sammlung Prinzhorn statt und wurde stark besucht. Einige Künstler und Künstlerinnen waren während der gesamten Zeit selbst dabei; andere kamen nur einmal. Salvator Goldengrün hielt die Atmosphäre in einem Bild fest, an dem er über die Dauer des Marktes arbeitete. Die Mitglieder der Jury waren stets vor Ort, als Ansprechpartner für Teilnehmer und Besucher. Alle Werke wurden auf das Behutsamste behandelt und von allen nur mit Handschuhen berührt.

 

Der große Zuspruch und die Kauflust der Besucher überraschten alle. Auch der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau gab dem Markt die Ehre; er erwies sich als ausgesprochener Experte und Liebhaber der gezeigten Werke und der Sammlung Prinzhorn. Später ließ ich ein Fernsehteam eine Dokumentation drehen, die nun kostenfrei im Internet zur Verfügung steht (s. apangerl.de/biografie.html).

 

Das Konzept der Veranstalter ging insofern auf, als es vielfach zu Gesprächen darüber kam, ob man ein Werk, das einen an sich faszinierte, wirklich dauerhaft um sich haben könnte. Manche Besucher kamen mehrere Male und sahen sich immer wieder dieselben Bilder an – und kauften dann doch nichts. So zogen einige der Künstler, die auf Einnahmen gehofft hatten, enttäuschte Gesichter, zumal andere fast alles Mitgebrachte verkauften.

 

Alles in allem war der „Outsider Art Markt“ jedoch ein Erfolg, der sich eben nicht allein am Ökonomischen bemisst. Dass die Sammlung Prinzhorn mit ihrem berühmten historischen Bestand, der seit 2001 öffentlich zugänglich ist und dessen Ruhm weit über die Grenzen Deutschlands reicht, sich heute intensiv mit künstlerischen Werken lebender Psychiatrieerfahrener beschäftigt, ist sehr wichtig für deren öffentliche Anerkennung. Es wäre schön, wenn dieses Beispiel weiterwirkte – und wenn es bald wieder einen „Outsider Art Markt“ in der Sammlung Prinzhorn gäbe.

 

Zuerst veröffentlicht und zu lesen im 

Brückenschlag Band 25, 2009/Paranusverlag

 


One Million & Verortung

 

Der unverzichtbare Größenwahn der Weltverantwortung

 

Als wir ihn zum erstenmal trafen, hatte er gerade in der ehemaligen Synagoge Kippenheim eine Ausstellung. Weiße Bilder mit schwarzen Kreuzen, Dutzende, alle scheinbar gleich, auf dem Fußboden in drei langen Reihen hintereinander gelegt. Tausende gemalter, gestrichelter Kreuze, welche die Fläche der Bilder in feine Grauzonen unterschiedlicher Dynamik teilen. Kreuze wie Spuren an Knastwänden oder winterliche Soldatenfriedhöfe in Landschaften einstiger Völkerschlachten. Oder auch Zinken gezählter Zeit, Sekunden, Tage, Wochen, bis das Zeitliche sich auflöst.
Im (von verdrängter Geschichte getränkten) Interieur der Synagoge Kippenheim, deren dunkle Wandornamente und blinde Fenster gedämpftes Licht verbreiten, wirkten die Bilder von Armin Andreas Pangerl seltsam klar und bestimmt. Hier war einer dabei, sich um deutsche Vergangenheit zu bemühen, sich etwas aufzuladen, sich selbst batterieartig aufzuladen, um etwas zu bannen, einen Schmerz, eine Katastrophe... so war damals mein Eindruck.
"One Million Projekt " heißt diese Arbeit und ist noch im Fluss. 10 Bilder von 150x200 und 50 von 33x33 sind geplant. Die kleinen Formate sind fertig, bei den großen ist Nummer 4 dran. Sie enthalten pro Bild etwa 100 000 schwarze Kreuze, wie er dazu bemerkt. Eine Million sollen es werden.
Wir haben ihn im Atelier besucht, an einem kalten, grauen Wintertag. Kein Sonntags-Spaziergang im romantischen Künstler-Ambiente, keine gemütliche Kreativ-Ecke. Aber drei Räume voller Bilder- und Papierstapel, Farben und Kampfspuren der Malerei, im Chaos befindliche Riesenbilder. Das Subtile neben dem Brachialen, Reflexe aus der Moderne, satte, triumphierende, von Farbe und Geste strotzende Bilder und andere, im Unbestimmten verendet, zur Strecke gebracht. Hier rast das Experiment der Malerei.

Armin Andreas Pangerl war ein Adept der Kunst, den die Kunstakademie Karlsruhe nicht in ihren Schoß aufgenommen hat, als er sich vor 10 Jahren um Zulassung zum Studium bemühte. Nichts desto weniger zum Trotz hat er demnächst die 14te Einzelausstellung und ein großes Atelier innerhalb des Geländes der Firma Pretsch in Lahr. Sein Lebenslauf weist Brüche und Tiefen auf, vom Bauarbeiter und Punk zum freiwilligen Soldaten zum Patienten der Psychiatrie, hat er sich aus dem atomaren Alptraum, der ihn anlässlich einer militärischen Übung ereilte, malend und schreibend herausgewunden, hat sein Abitur nachgeholt und ist Künstler geworden. Auch ohne Akademie und professoralen Einfluss. Mancher Kunststudent könnte ihn beneiden um seine Originalität, seinen Schaffenstrieb und seine Ausstellungstätigkeit. Dass er nebenbei noch für seinen Lebensunterhalt sorgt, ist selbstverständlich.

Pangerl hat schon für Skandale im Krankenhaus gesorgt, als seine Bilder schädlich für den Gesundungsprozess von Patienten galten: er musste sie abhängen, nicht verstehend, wie ihm geschah. Gerade aus dieser Serie haben wir einige in die Ausstellung genommen, er hat sie zusammen mit seinem Malerfreund Tilman Flatt gemalt, an einem Tag. Der Mensch in seiner Zerrissenheit, in der Verzerrung seiner Schmerzen und Ängste, in seiner unbeholfenen Körperlichkeit. Dass er gerne zusammen mit anderen malt und trotzdem von "seinen" Bildern spricht, ist so ungewöhnlich wie selbstbewusst.

Kunst, was soll das, diese immer neue alte Frage der Menschen beantwortet Pangerl so, dass man die Notwendigkeit von Kunst wieder fühlt, als Lebensmittel und Überlebensmittel, jenseits von akademischer Besserwisserei und kunsthistorischem Gebläse. Als Autodidakt hat er die besten Chancen, die Malerei neu zu erfinden.

 

Januar 2004 Isolde Wawrin


Grenzgänger 5.11.09

1. Es ist gesetzlich vorgeschrieben. Deinen Besitz must du einsetzen. Auch dort kann eine Streichung erfolgen. Die Dicke wird’s dir besorgen. Wenn du wütend bist darfst Du ihr nicht den Kopf abhacken. Schweige! Töte lautlos

 

2. Lautlos TOD. Die Dicke Kuh. Wachsmuseum. Warum muß ich Krieg mit ihr haben. Sie Kränkt mich immer da. Crazy Industries. Wo ich verletzbar bin. Aber das weis Sie nicht. Weitschweifigkeit und Ich-Störungen bringt es hervor. Philigrano. (12 x Kreuz)

 

3. Dualität doppelt gespiegelte Wirklichkeiten. Nimm hin immer wieder. Mannisch bicyklisch. Wenn Du angetriggerst wirst durch Angst und Armut. Der innere Reichtum wird dich millionfacher werden. Requiem an die Ehrlichkeit. Wir haben kein WEIß mehr sondern rot. Swinger

 

4. Eines Tages werdet ihr verstehen in all dem was geschrieben statt und was diese blöde Metaphorik in sich hat. Eine Zeiel nur wenn dieses Bild über Wochen entsteht, Stück um Stück. Telephonia Italia Presto Presto. Live with Tonsut at mein head. Werde älter und saurer die Tage. 6 Wochen

 

5. Psychoklinik. Dort gibt es Psychopillis. 04.01.10. Bin draußen und helfe wieder anderen. Soll eine Doku machen über das Projekt (zwei Zeichen) in Paris werden wir auch sein. Und darauf freue ich mich (ein Zeichen) 11.02.10 Verrenke Dir nicht den Kopf. Kunst ist Erruption. Psychose ist Inplosion

 

6. Manches Mal ist die Last nicht mehr zu ertragen. Dann ist der Tag ewig lang ewig lang und länger und länger und nochmal so viel. Aber die Ideen gehen mir dabei nicht aus. Neue Gedanken sind wie Babys. Erst müßen sie gedacht sein. Too many watches go wrong {by Arno}

 

7. Hier hat das Wort Bestand. Die Wahrheit gilt. Für mich ist es der Höhepunkt der Woche wenn ich ins Projekt gehen kann. Meine Lebensversicherung ist verbraucht. Aber mein Leben nicht. Endlos gehen immer weiter (ein Zeichen) Gib deine Verletzung her. (ein Zeichen) Das jeder findet was er will. (Viele Kreuze)

 

8. ich bin voller Traurigkeit/Depression und niemand kann mir das abnehmen. Niemand außer ich selbst und weis gestrichen ist schnell. Der Tetx entsteht hier jetzt. (ein Dreieck) Phantasie der Worte (ein gefülltes Dreieck) Oder zeichen das stimmt vom Gefühl (eine Körper) Um die Ecke denken Text schenken Verschenken. Deine Gedanken denken.

 

9. Heute geht (18.02.10) es mir gut. Ich freue mich das es mich gibt. Zufriedenheit erleben ist etwas schönes. Ich freue mich auch das es Euch gibt den ihr seit der Grund warum ich lebe. Mensch. Menschheit. Warum sollte ich das verneinen. Dieser Biobeat geht jeden an egal was Du tust wie arm oder reich Du bist.

 

10. Du bist. Egal gönn dir eine Pause, atme und lese. Denke und lese. Befreie dich endlich. In deiner Therapie. Organiziere Dich selbst sonst wirst Du organisiert. Du gegen den Rest der Welt. Das haut nicht hin. Tu das was du willst. Glaube mir es ist das Richtige für Dich.

 

11. Ich werde tot sein eines Tages. Das weiß niemand wann und zum Bestimmer bin ich nicht geboren worden. Heute auch wieder Trauer für viele. Imm, und immer wieder. Und Schmerzen im Kreuz und Rücken. An alle die es wissen wollen dieser Text bedeutet gar nichts. Nö.

  

12. Die Geschichte von jedem (i.)Project das an Grenzgänger teilnimmt ist so unterschiedlich wie jede Person die daran teilnehmen. Ich kenne die Wut die sich nach Innen richtet. Ich gebe immer vorher auf. Dieses Jahr ist schwer für mich. Und auch für die, die an meinem Leben teilhaben.

 

13. Heute gehen die Gespräche um alles Mögliche. Und viele haben Sorgen die Materielle Not ist teils sehr groß. H 4 tötet. SGB 2 tötet ebenso. Das Leben ist Klage. Immer dieser Jammer. Spiralen Ich tanze auf dieser Feier. Jeder Donnerstag ist ein guter Tag 16.45h

 

14. Manche isolieren sich; andere kommen hinzu. Brunhilde. Im Raucherraum geht es um Glaube. S flieht. Panisch vor Angst. Heute ruhige Gedanken. Arbeitspensum erfüllt. Projekt ist voll. 11.03.10 Winnenden. Alles nur Trauer ist. Heute sind nur wenige im Projekt.

 

15. Pilarr. Dieses Wort geht mir durch den Kopf. Ich habe keine Ahnung was es bedeutet. Besonders beeindruckt mich das TV zum Schluss. Jahn ist voller Lobes für diese Arbeit von mir. Mein Bauch ist wie ein Ballon. Hatte Ileus am 02.03 und mußte Notoperiert werde; das war

 

16. Aua! Demnächst treffen sich die Gruppen nochmals (die beiden Atelier & FHG Club 55) um das Projekt vorzubesprechen. Ich hoffe das die Gelder kommen von der EU. Carmelina ist mal wieder da. Jahn mach Hipp Hopp Musik 18.03.10 Mein Körper hat mal wieder nachgegeben und ich hatte einen

 

17. Ileus. Und eine Not op. An manchen Tagen gibt es nicht viel zu sagen. Außer das es einem schlecht geht. Ich habe starke Schmerzen. 31.03-01.04.10 Ein Cent für jede e-mail. Aprilscherz von Radiostation. Bin ruhiger selektiere mehr was in mir ist. Ostern wird in der Küche

 

18. gefeiert. Schokolade und Kaffee. Mein Bauch spürt das deutlich wollen wir doch alle nur die Klaviatur der Liebe spielen. Tilman hat guten Jazz mit dabei. 07.04.10 Der Weg ist das Bild. Wenn Schmerzen da sind geht es mir nicht so gut. Gabi schenkt

 

19. mir Wärme. So vergehen die Tage und alles ist gut. Die Stimmung ist gut hier unter den Teilnehmern. Alle arbeiten was das Zeugs hält. Heute bin ich mal schmerzfrei 05.05.10 Viel Zeit ist vergangen. Viele Sorgen blieben unausgesprochen; manche Träne hat den Boden

 

20. erreicht. Sorgen um Wohnen und Geld; Anerkennung und Respekt; vor der geleisteten Arbeit. Wieder das Amt das einen schier tötet. Furchtbare Sorgen die zum Suizid führen. Manchen von uns geht es gut, anderen saumässig übel. Die meisten nehmen Medikamente

 

21. Die Wut kannst du gar nicht rausschreien so viel ist da. Da wird die Kunst zum Luxus. Bald feiern wie Geburtstag. Antonia + ich

 

FHG Club 55 Freiburg

 

Käme

Wolf in der Säule Zürich

 

Das Atelier Lahr

 

la tinaia (italia)

 

 

{Abschrift vom 06.07.2017}

 

Italienisch:

Grenzgaenger 5.11.09

: è prescritto dalla legge. Devi puntare il tuo possesso. Può seguire un

annullamento anche lì. La grassona. Morte senza suono (silente). La mucca grassa. Museo

delle cere. devo davvero essere in guerra con lei, lei mi offende sempre ‘Crazy Industrie’.

[...] Dove sono vulnerabile. Ma questo lei non lo sa. La pesantezza e un disturbo dell'Io lo

fanno venire fuori. Minuziosamente. Dualità, doppiamente rispecchiato veramente allegro.

Accettalo ogni volta. Oddio come sono bi-ciclico. Se ti lasci invadere dalla paura e dalla

povertà, la ricchezza interiore ti farà milionario. Un requiem alla sincerità. Noi non abbiamo il

bianco ma soltanto il rosso. Swinger. Un giorno voi capirete cosa è scritto qui e cosa significa

questa stupida metafisica. Di riga in riga questa immagine cresce di settimana in settimana.

Un pezzo di telefonia con l'Italia presto presto. La vita con … nella mia testa. Io sto diventando

più vecchio e più tristi i giorni. 6 settimane di clinica psichiatrica. Là ci sono pillole per la

psiche. 04.01.10 Sono di nuovo fuori e sto aiutando nuovamente gli altri. Voglio fare una

documentazione sul progetto. Andremo anche a Parigi. Ne sono contento. 11.02.10 […] nella

tua testa. Arte è eruzione. Psicosi è implosione. Talvolta la parola non si può interrogare.

Allora il giorno è eternamente lungo eternamente lungo e diventa ancora più lungo più lungo e

di più. Ma le idee non mi mancano. Nuove idee sono come immagini. Prima devono essere

rafforzate. Troppi orologi vanno male. Qui la parola ha solidità. La verità no. Per me il

momento più importante è quando entro nel progetto. La mia assicurazione della vita si è

esaurita. Ma la mia vita no. Senza termine andare avanti. Dammi la tua […] Affinché ognuno

ne tragga qualcosa. Sono pieno di tristezza depressione e mi sento svanire. Nessuno fuori

che me stesso e quello che c'è scritto è sfuggente. Il testo esiste è qui. Fantasia di parole.

Segni della voce del sentire, pensare in modo non lineare e regalare un testo. Regalare l'aver

pensato i pensieri. Oggi (18.02.10) sto bene. Sono contento di esserci. Vivere la

soddisfazione è qualcosa di bello. Sono contento che voi esistiate. Voi siete la ragione per cui

io vivo. L'uomo. L'umanità. Perché lo dovrei negare. Questo […] riguarda ognuno

indipendentemente da quello che fai da quanto sei ricco o non. Tu sei. Fa lo stesso concediti

una pausa, respira e leggi. Pensa e leggi. Liberati finalmente. Nella tua terapia organizza te

stesso altrimenti vieni organizzato tu. Tu contro il resto del mondo. Non torna. Fai quello che

vuoi. Credimi è la cosa giusta per te. Io un giorno sarò morto. Nessuno sa quando e non sono

nato per comandare. Oggi nuovamente tristezza per tanto. Sempre, sempre di nuovo. I dolori

alla schiena. E tutti quelli che vogliono sapere cosa significa questo testo, questo testo non

significa niente. No. La storia di ogni partecipante al progetto Grenzgänger è così diversa

come sono diverse le persone. Io conosco la rabbia che si dirige verso l'interno. Io mi

rassegno prima. Quest'anno è difficile per me e anche per coloro che prendono parte nella

mia vita. Oggi ho avuto conversazioni sui temi più vari. E tanti hanno preoccupazioni, il disagio

economico è in parte molto grande. Il sussidio di disoccupazione uccide. Il sussidio sociale

uccide altrettanto. La vita è un lamento. Sempre queste spirali di dispiacere. Io ballo sulle

uova. Ogni giovedì è un buon giorno 16:45. Qualcuno si isola nuovi arrivano. Brunhilde. Nella

stanza del riposo il soggetto è credere. Aiuta. Sono nel panico dalla paura. Oggi pensieri più

sereni. Ho esaurito i compiti di lavoro. Il progetto è pieno. 11.03.10 Winnenden tutto è solo

lutto. Oggi solo pochi sono venuti a dipingere. Pilarr. Questa parola attraversa la mia testa non

ho idea di cosa significhi. Particolarmente mi impressiona la televisione alla fine. John è pieno

di lode per questo mio lavoro. La mia pancia è come un pallone. Ho avuto … e sono stato

operato d'urgenza. Questo è stato dolore! Prossimamente i due gruppi si incontrano di nuovo

(Das Atelier e FHG Club 55) per preparare il progetto. Io spero che i soldi dalla Comunità

Europea arrivino. Carmelina è tornata. John fa musica hip hop. 18.03.10 Il mio corpo ha

accettato e io ho […]. E un'altra operazione d'urgenza. Qualche giorno non ho molto da dire. A

parte che non sto bene ho dolori molto forti. 31.03/-01.04.10 un cent per ogni e-mail. Uno

scherzo d'aprile della stazione radio. Sono un po' più calmo seleziono cosa succede in me. A

Pasqua viene festeggiato il bambino. Cioccolato + caffè. La mia pancia lo ha sentito. Tutti

vogliamo soltanto suonare i tasti dell'amore. Tilmann ha portato buona musica jazz. 07.04.10

La strada è l'immagine. Quando ho dolore non sto tanto bene. Gabi mi regala calore. Così

passano i giorni e tutto va bene. L'atmosfera tra i partecipanti è molto buona. Tutti lavorano al

massimo. Oggi non ho dolore. 05.05.10 Tanto tempo è passato. Tante preoccupazioni

rimangono non dette; qualche lacrima ha raggiunto il suolo. Preoccupazioni per l'abitazione e

per i soldi. Rispetto e riconoscimento arriva dal lavoro compiuto. Di nuovo nell'ufficio che quasi

uccide. Terribili preoccupazioni che conducono al suicidio. Alcuni stanno bene, altri molto

meno. La maggior parte prende farmaci. La rabbia è cosi tanta che non la si può più urlare.

Così l'arte diventa un lusso. Tra non molto festeggiamo il compleanno di Antonietta. 

 

 


Wunderworldzone

Oder Kunst-Lose für alle.

Text zu der Sozialaktion am 22.August. 2005

 

Der Blauchinesenfrosch ist meiner Phantasie entsprungen, aber er ist genauso real oder irreal geworden wie z.B. die Zecke oder der Rasselsäbelbarsch, der durchs Bild flitzt. Kaum hat man ihn entdeckt, schon ist er wieder verschwunden. Ein anderes Motiv drängt sich beim Durchsehen auf. Neben diesen und zahlreichen erfundenen Figuren sind eine Vielzahl an Strukturen oder Collagen unterschiedlichster Natur in die Los-Serie eingeflossen. Entstanden sind sie in einem Zeitraum von drei Monaten in vier verschiedenen Ländern: Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Neben dem Atelier, in dem die Vorlagen gemacht  wurden, waren es vor allem die Orte im Freien, die am kreativsten auf mich eindrangen. Vielleicht hat mich auch der ein oder andere beobachten können, während ich arbeite. Denn die Arena war oft der Schauplatz meines Schaffens, ob nun im Kaffee oder an der Schutter, überall kann es Orte geben, an denen die Energie für Kunst vorhanden ist. Blaue Mäuse, Schlangenlinien, Wimpernschlag der Katzen und vor allem die Bäume um mich herum inspirierten oft zu neunen Ideen. Biomorphe Strukturen, Gewirr und Verdichtung, Reduktion und Überlagerung, Raumgewinn durch Regelbruch, Schiffe, Vögel, vor allem kleine grazile Wesen abgedrängt in Nischen suchten mich auf den Bildern heim. Übertrumpft von Riesenameisen und Mücken oder Bremen. „So kannst du Schauen lernen", war mein Gedanke, „und immer wieder Neues an Formen und Gestalten entdecken“. Ohne auf ein Ziel und persönliche Zeitbegrenzungen Rücksicht zu nehmen, fanden sich die Bilder über die Distanz von ganz alleine, das Wiegen der Blätter im Gras liegend transportieren, nach oben gen Himmel schauen, ist für einen Künstler so ein Auftrag wie den Kunsttempel des Göttlichen berühren und besteigen lernen. 1000 Bilder in drei Monaten, das ist viel... Gutes und Schlechtes tagebuchartig erfasst, wurden diese Bilder zu meinen ständigen Begleitern. Immer wieder, wenn eine neue Idee sich fand, war ein neues Bild geboren. Es schmerzt mich, mich nun davon zu lösen und sie zu verkaufen, aber das ist das Geschäft von Künstlern. Herstellen und verkaufen. Den Gewinn wird die Organisation NABU wohlbringend für die Natur einsetzen, was mir Freude bereitet. „Wunderworld“ vielleicht frei übersetzt Welt der Wunder, für mich am ehesten eine Hommage an die Natur selbst, in Bilder gefasst in einen natürlichen Kreislauf eingebunden. Meine Phantasie in 1000 Bildern, die als Lose fungieren. Wunderworldzone ... Die Unmöglichkeit alles zu erfassen und zu dokumentieren, oder einfach Kunst für alle.

 


2005 AAP